KARL KAFKA ERFORSCHTE WEHRKIRCHEN
Mit freundlicher Genehmigung der Steiermärkische Landesbibliothek bringen wir hier einen Artikel, der im Jahresbericht 2024 auf den Seiten 16 bis 19 erschienen ist.
Akribisch recherchierte Karl Kafka zu jeder einzelnen Wehrkirche, trug Informationen und Postkarten zusammen, fertigte Fotos und Zeichnungen an.
Karl Kafka wurde am 2. Dezember 1889 in Wien geboren, wo er auch die Volks- und Bürgerschule besuchte. Nach der Absolvierung des Lehrerseminars in Feldkirch war er seit 1910 als Volksschullehrer beschäftigt, 1937 wurde er zum Volksschuldirektor ernannt. Vorübergehend wurde er als solcher 1938 abgesetzt, war nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Eintritt in den Ruhestand 1954 aber wieder als Direktor tätig.
Neben seiner Arbeit bereiste er nicht nur die österreichischen Bundesländer, sondern auch zahlreiche Länder in Europa und trug dabei eine Fülle an Material über Wehrkirchen in Deutschland, Frankreich, Italien, dem ehemaligen Jugoslawien, Rumänien und Spanien zusammen. Leider sind diese über Österreich hinausgehenden umfangreichen Aufzeichnungen nicht mehr zur Veröffentlichung gekommen.
Am 4. Mai 1980 verstarb Karl Kafka im 91. Lebensjahr in Wien.
Gesammelt in 35 Mappen kamen hunderte „Biographien“ von Wehrkirchen aus halb Europa an die Steiermärkische Landesbibliothek.
Das Werk
Seit jungen Jahren widmete sich Karl Kafka konsequent der Erforschung von Wehrkirchen. Als diese werden Kirchen bezeichnet, die mit Vorrichtungen zur Abwehr von Feinden, beispielsweise Zinnen, Wehrerkern oder Schießscharten versehen sind. Kafka hat damit ein Thema aufgegriffen, das zumindest in Österreich bis dahin nur in Einzeldarstellungen behandelt wurde.
Mit der Herausgabe je eines zweibändigen Werks über Wehrkirchen in Kärnten und Niederösterreich und je eines einbändigen Werks über Wehrkirchen in der Steiermark sowie in Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg (wobei er auch auf wehrhaft ausgebaute Pfarrhöfe, Probsteien, Karner und andere sakrale Einrichtungen näher einging) leistete Karl Kafka Pionierarbeit. Dabei widmete er sich der Vielseitigkeit der Wehrarchitektur von Sakralbauten, beschrieb mit einer bewundernswerten Akribie wehrtechnische Details und fertigte zudem Skizzen an, wie etwa Schießlöcher in Kirchentüren oder Nischenmauern in Wehrkirchhöfen – äußerst wertvolle zeitgenössische Werke.
In den Werkstätten der Steiermärkischen Landesbibliothek werden die Dokumente gesäubert sowie Beschädigungen repariert.
Karl Kafka und der Steirische Burgenverein
Der Steirische Burgenverein hat nach dem Tod von Karl Kafka gemäß dessen Testament die Aufgabe übernommen, auf die nachgelassene sehr umfangreiche Materialsammlung aufmerksam und diese für Interessierte zugänglich zu machen.
Die Manuskripte zu den von ihm selbst herausgegebenen Werken, aber auch die bislang unveröffentlichten aus halb Europa sind länderweise geordnet, bestehen zumeist aus mit Maschine beschrifteten und mit Fotos, Postkarten und Zeichnungen beklebten Papierbögen und -blättern, wobei die betreffenden Orte alphabetisch gereiht sind.
Die Druckschriftensammlung von Karl Kafka ist ebenso beeindruckend wie seine Abschriften von zum Teil sehr schwer zugänglichen Arbeiten sowie handschriftliche Übersetzungen einschlägiger Arbeiten aus dem Französischen, Dänischen, Schwedischen und Slowenischen.
Die gesamten Dokumente gelangen in säurefreien Kartons archiviert in den 2.370m² großen Tiefspeicher der Steiermärkischen Landesbibliothek.
Aufnahme des Nachlasses in der Steiermärkischen Landesbibliothek
Um die aus historischer Sicht einmalige Sammlung von Karl Kafka einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde der Großteil der Materialien – insgesamt 35 Mappen mit hunderten detailliert beschriebenen Objekten sowie Typoskripte, Abschriften und Übersetzungen – der Steiermärkischen Landesbibliothek als Dauerleihgabe übergeben. Hier sorgt man zudem für eine bestmögliche Erhaltung und Lagerung der zahlreichen Unterlagen.
Nach einer routinemäßigen gründlichen Untersuchung auf potentiell vorhandene lebende Organismen (Insekten, Schimmel etc.) erfolgen in der zur Landesbibliothek gehörenden Buchbinderei eine Sichtung auf mögliche Beschädigungen sowie allfällige Restaurierungsarbeiten (Entfernung von Metallklammern, Plastikteilen etc., Reparatur von Papiereinrissen).
Danach gelangen die Materialien zum Scannen in die hauseigene Digitalisierungsstelle. Das Scannen der Dokumente verhindert, dass Originale zu oft vorgelegt werden müssen und folglich darunter leiden. Dieses professionelle Scannen mit einem der aktuell besten Scanner durchgeführt, dem Omni-Scan Q0 Aufsichtscanner von Zeutschel, mit den Abmessungen 173x300x220 cm und einem Gewicht von rund 700 kg. Zurzeit gibt es nur zwei dieser Geräte in ganz Österreich. Für Technische-Details-Verliebte: Der Scanner erfüllt die Anforderungen ISO 19264-1 Level A, Metamorfoze Full und FADGI 4 Star; 800 ppi, bis zu 1200 Megapixel. Im Anschluss an die Digitalisierung erfolgt die detaillierte Aufnahme des Gesamtbestands in den Online-Katalog, weltweit such- und findbar über die Homepage der Steiermärkischen Landesbibliothek (www.landesbibliothek.steiermark.at).
Alle Originale werden sodann in säurefreie Kartons verortet und gelangen als Bestandteil des Bereichs Sondersammlungen der Steiermärkischen Landesbibliothek bei optimalem Raumklima (Lufttemperatur von etwa 20° Celsius, Luftfeuchtigkeit von 48%) letztlich in das zweite Tiefgeschoß des Gebäudes in der Grazer Kalchberggasse 2.
Quellen:
Härtel, Reinhard: Der wissenschaftliche Nachlass von Karl Kafka in der Obhut des Steirischen Burgenvereines. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereines, 17. Folge, Graz 1982, S. 39–50.
Pfeifer, Egon: In Memoriam Karl Kafka. In: Mitteilungen des Steirischen Burgenvereines, 17. Folge, Graz 1982, S. 37–38.
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