H I N W E I S E
ZUM UMGANG MIT SCHLÖSSERN, BURGEN UND RUINEN
IN DER STEIERMARK
DIPL. ING. DIETRICH HERZOG
V O R W O R T
Diese
Niederschrift wendet sich nicht an den Fachmann, sondern an den interessierten
Laien, ganz besonders aber an die vielen freiwilligen Mitarbeiter in den
steirischen Burgvereinen. Dort wurden und werden oft großartige Leistungen
erbracht und wertvolles steirisches Kulturgut erhalten und gepflegt. In meiner
Eigenschaft als Vizepräsident des Steirischen Burgenvereines möchte ich an
dieser Stelle nicht nur allen Mitgliedern der Steirischen Burgvereine danken,
sondern sie zugleich auch bitten, in diesen Bemühungen fortzufahren. Mein Dank
gilt auch allen Grundeigentümern und Burg- oder Schlossbesitzern, die derartige
Tätigkeiten zulassen und fördern. Der vielleicht schönste Dank ist wohl die
große Zustimmung der Bevölkerung. Es ist heute ein wachsendes Interesse an
unserer Geschichte im allgemeinen und jener der Ritterzeit im besonderen zu
beobachten.
Während meiner beruflichen
Tätigkeit als Baumeister und Zivilingenieur konnte ich reiche Erfahrungen im
Umgang mit alten Schlössern, Burgen und Ruinen sammeln. Ich möchte hiermit
einiges davon weitergeben. Es war vor allem meine Absicht, Ursachen und
Zusammenhänge darzustellen, ohne allzu sehr ins Detail zu gehen. Auch möchte
ich den Leser dazu anregen, sich mit alten Gebäuden näher zu befassen und
gegebenenfalls mit geschärftem Blick und besserem Verständnis an eine Sanierung
heranzugehen oder mitzuwirken.
Dipl. Ing. Dietrich Herzog, Februar 2002.
1.) GRUNDSÄTZLICHES
Schlösser, Burgen und Ruinen sind
Zeugen unserer Geschichte. Unsere Vorfahren haben sie oft unter großen Mühen
und Gefahren vor vielen Jahrhunderten geschaffen und lebten, arbeiteten und
kämpften auch dort um sich zu verteidigen. Im Laufe der Zeit wurden diese
Gebäude neuen Umständen, aber auch neuen Zeiten entsprechend angepasst,
umgebaut, verändert. Oft wurden solche Gebäude ganz oder zum Teil dann nach
jahrhundertelanger Benutzung verlassen und dem Verfall preisgegeben. Dächer
verfielen, Decken stürzten ein, das Mauerwerk war nun ungeschützt Wind und
Wetter ausgesetzt. Der Pflanzenbewuchs tut ein übriges. Dieses Schicksal
erlitten oft Burgen, wenn sie zu Verteidigungszwecken nicht mehr gebraucht
wurden oder den damals neuen Wohnbedürfnissen nicht mehr entsprachen. Man baute
dann vielfach Schlösser im Tal, die leichter erreichbar, komfortabler und repräsentativer
als Burgen waren. Auch diese Gebäude haben heute überwiegend ihre ursprüngliche
Aufgabe, nämlich Wohnsitz einer Familie oder Sippe zu sein, verloren.
Diese alten Gebäude wie Burgen,
Schlösser und Ruinen erfreuen sich heute zunehmender Wertschätzung und
glücklicherweise sind jene Zeiten vorbei, wo man diese Bauwerke für wertlos und
unnütz hielt. Es besteht daher das Bedürfnis, alte Gebäude bzw. Ruinen zu
erhalten oder den weiteren Verfall möglichst zu verzögern. In Österreich gibt
es dazu den gesetzlich verankerten Denkmalschutz, aber auch Erfahrungen mit
verschiedenen Methoden und Vorgangsweisen, die in den vergangenen Jahrzehnten
gemacht wurden.
Bei Maßnahmen jeder Art an alten
Bauwerken ist immer so vorzugehen, dass die historische Identität nicht
beeinträchtigt wird. Es ist unsere selbstverständliche Pflicht, den großartigen
baulichen Leistungen unserer Vorfahren entsprechende Achtung und Ehrfurcht
entgegenzubringen.
Bei den nun folgenden Erläuterungen
gibt es Unterschiede zwischen Ruinen und noch mehr oder weniger intakten
Gebäuden, wenn auch hier eine strikte Grenze nicht gezogen werden kann.
1.1 RUINEN
Diese stehen meist an landschaftlich herausragenden Plätzen
und üben auf den Besucher einen ganz besonderen Reiz aus. Manchmal wird der
Wunsch geäußert, derartige Ruinen wieder aufzubauen, am besten „originalgetreu“. Dies würde eine völlige
Entstellung so eines Kulturdenkmales bedeuten und zwar auch dann, wenn man dem
wichtigen Grundsatz folgt, dass neu hinzugefügtes Mauerwerk als solches
erkennbar sein soll. Es gibt allerdings Sonderfälle, die einen Wiederaufbau
rechtfertigen. Wenn ein altes Gebäude z.B. durch eine Katastrophe wie Krieg
etc. zerstört wurde, kann das gegebenenfalls in Betracht gezogen werden. Ein
Gebäude, welches aufgegeben wurde, langsam verfiel und zur Ruine wurde soll als
Ruine erhalten und gepflegt werden. Die Rekonstruktion einzelner Räume samt
passendem Witterungsschutz für Geräte und Werkzeuge oder eine kleine
Jausenstation wird in der Regel tolerierbar sein, wenn der Charakter der Ruine
dadurch nicht beeinträchtigt wird. Wichtig ist vor allem, dass alle noch
vorhandenen baulichen Merkmale erhalten und sichtbar bleiben. Dies sind
insbesondere Fensterumrahmungen aus Naturstein, Gewölbeansätze, Balkenlöcher
von früheren Holzdecken, Wehrgängen, Holzteilen etc., Putzkanten, welche
ehemalige Dachansätze, Stiegen, Fenster usw. erkennen lassen, ev.
wiederverwendete behauene Steine, Torumrahmungen, Lager und Halterungen von
Toren usw.. Wenn man diese Gedankengänge konsequent überlegt und weiß, dass die
Erhaltung und Sicherung einer Ruine auch im günstigsten Fall ohne zumindest
kleine Hinzufügungen von Mauerwerk und sonstigen Baumaterial (z. B. schützende
Mörtelschichten) gar nicht zu bewerkstelligen ist, wird klar, wie viel
Feingefühl, Überlegungen und Entscheidungen erforderlich sind, um ein
zufriedenstellendes Ergebnis zu erreichen. Mehr dazu im nächsten Abschnitt.
1.2. INTAKTE,
HISTORISCH WERTVOLLE GEBÄUDE
Hier gilt : das Beste, was einem alten
Haus passieren kann, ist, dass es noch gebraucht wird. Ein Gebäude, welches
leer steht und keinen Zweck mehr erfüllt, verfällt sehr schnell. Es ist daher
gut und richtig, wertvolle alte Gebäude für aktuelle Erfordernisse umzubauen
und zu adaptieren. Wir tun damit ja auch nichts anderes als das , was immer
schon mit alten Gebäuden gemacht wurde. Allerdings gibt es heute durch
gestiegene Ansprüche und den Einbau moderner Technik neue Aspekte. Auch in
diesem Fall gilt, dass mit alter Bausubstanz möglichst vorsichtig umgegangen
werden muss und dass neue Bauteile von alten gut unterscheidbar sein sollen.
Innenausbauten sollten möglichst reversibel sein. All das ist bei guter
moderner Architektur und mit heutigen Baumaterialien erreichbar. Es gibt dafür
genug gute Beispiele.
2.) FESTLEGUNG DER NOTWENDIGEN MASSNAHMEN .
Will man ein altes
Gebäude sanieren oder den Bestand einer Ruine sichern, sind in der Regel umfangreiche
Überlegungen anzustellen und eine Prioritätenliste zu erarbeiten. Als Vorschlag
dafür sind nachfolgend die wichtigsten Punkte aufgezählt und beschrieben.
2.1. SCHUTZ GEGEN
WIND UND WETTER
Ist bei einem alten Gebäude das
Dach noch vorhanden, muss dieses natürlich im funktionsfähigen Zustand erhalten
werden. Fehlstellen müssen laufend ausgebessert werden. Die Dichtigkeit einer
Dachfläche kann sehr gut beurteilt werden, wenn man den Dachraum einerseits bei
schwachem Regen, andererseits bei sehr starkem Regen (ev. auch bei der
Schneeschmelze ) begeht und die
Dachhaut von innen genau kontrolliert. So kann Wassereintritt leicht und sicher
festgestellt werden. Dabei ist auch darauf zu achten, dass nicht nur kein
Wasser die Dachbodendecke erreicht, sondern auch darauf, dass Teile des
Dachstuhles an keiner Stelle nass werden. Der hölzerne Dachstuhl ist naturgemäß
sehr gefährdet und muss immer wieder kontrolliert werden. Dies betrifft
besonders weiter unten liegende Holzteile wie zum Beispiel die horizontal
verlaufende Fußpfette. Oft wird gerade hier bei Dachreparaturen altes
Ziegelmaterial und Bauschutt abgelagert, was diesem wichtigen Konstruktionsteil
sehr schadet. Besonders wichtig ist es auch, darauf zu achten, dass das
Regenwasser von allen Gebäudeteilen gut weggeleitet wird. Es darf sich nicht in
Innenhöfen sammeln oder in der Nähe von verschiedenen Gebäudeteilen versickern.
Fenster und Außentüren müssen natürlich
auch in einem ausreichend guten Zustand gehalten werden. Eine absolute
Dichtigkeit der Fenster ist in der Regel nicht erforderlich, manchmal sogar
schädlich. (Belüftung!) Auf jeden Fall schädlich sind aber kaputte
Fensterflügel und fehlende Glasscheiben! Auch bei alten Fenstern gilt:
unbedingt die alte Konstruktion beibehalten.
Tischler können heute alte Fenster
reparieren, Einzelteile auswechseln oder aber ein ganzes Fenster in alter Form
neu anfertigen. (Föhrenholz, nicht Fichte!) Als Witterungsschutz empfiehlt sich
eine Imprägnierung mit modernen Holzschutzmitteln oder aber mit dem
altbewährtem Firnis, welches kalt oder – noch besser – heiß aufgetragen werden
kann. Deckende, moderne Anstriche sind für Holzaußenflächen weniger gut
geeignet, weil sie zu „dicht“ sind und abblättern, bevor die Farbe durch
Abwitterung verbraucht ist. Kitten ist auf jeden Fall zu vermeiden. Soll
trotzdem ein deckender Anstrich aufgebracht werden, sollten unbedingt die
früher üblichen Standölfarben für Grund und Deckanstrich verwendet werden.
Leider sind diese heute nicht mehr in jeder Farbenhandlung erhältlich.
Bei der Sanierung alter Fenster und Türen kann es
Probleme mit den Beschlägen geben. Beschläge in alter Form und guter Qualität
gibt es kaum noch. Es ist daher empfehlenswert, entsprechende Beschläge, ev.
nach vorhandenem Muster, vom Schlosser anfertigen zu lassen. Diese könnten,
bzw. sollten dann vor der Montage feuerverzinkt werden, wobei natürlich auch
verzinkte Schrauben oder Nägel zu verwenden sind. Die Mehrkosten für so eine
Anfertigung sind – bezogen auf eine Haussanierung – minimal.
2.2. STATISCHE
PROBLEME
Bei Altbauten treten häufig
Bauschäden auf, die statische Ursachen haben. Ein schadhaft gewordener
Dachstuhl beispielsweise kann auf das tragende Außenmauerwerk einen
horizontalen – ursprünglich nicht vorhandenen – Druck ausüben, was leicht zu
Rissen im Mauerwerk führt. Auch Fehler im Fundamentbereich kommen vor und
können zu Mauerrissen führen. Überhaupt kommen Risse im Mauerwerk bei alten
Gebäuden und Ruinen in verschiedenster Form vor und es ist klar, dass derartige
Risse im Mauerwerk die Standsicherheit alter Mauern sehr beeinträchtigen,
manchmal bis zur Einsturzgefahr. Der erfahrene Fachmann kann oft aus dem
Rissebild auf die Ursache schließen. Bei höheren Mauern, wie z.B. bei Türmen
treten manchmal von oben, leicht schräg nach unten verlaufende Mauerisse auf,
die durch eindringendes Regenwasser und Frost noch verstärkt werden.
Außerdem neigen vertikale Außenmauern dazu, nach
außen zu fallen, begünstigt durch verschiedenste Umstände. Diese Tatsache ist
schon seit vielen Jahrhunderten bekannt und die alten Bauleute haben dem
dadurch entgegengewirkt, dass Außenmauern von höheren Gebäudeteilen etwas nach
innen geneigt hergestellt wurden. Ferner hat man in regelmäßigen Abständen
horizontale Schließen aus Eisen oder Lärchenholz eingebaut. Auch
Lärchenholzschließen haben sich ausgezeichnet bewährt, wenn erstklassiges Holz
verwendet wurde. Auch Holzüberlagen bei Fenstern und Türen haben oft eine
überraschend lange Lebensdauer, und es spricht nichts dagegen, bei Sanierungen
wieder dieses Holz zu verwenden. Es ist daher bei der Beurteilung der
notwendigen Maßnahmen unbedingt ein geeigneter Baufachmann, welcher mit
Altbauten viel Erfahrung hat, beizuziehen. ( z.B. Baumeister, Statiker.) Dies
gilt natürlich nicht nur für das Mauerwerk sondern für alle konstruktiven
Bereiche eines Gebäudes oder einer Ruine, wie Holzkonstruktionen,etc..
2.3 GEWÖLBE UND BÖGEN
Wie
„funktioniert“ eigentlich ein Gewölbe Hier seien zunächst zwei konstruktive
Varianten unterschieden, nämlich Deckengewölbe, welche eine massive
Deckenkonstruktion von Räumen bilden und Gewölbebögen, auch kurz Bögen genannt,
welche zur konstruktiven Überbrückung von Maueröffnungen dienen. Das technische
Prinzip ist in beiden Fällen das gleiche. Die folgenden Erläuterungen beziehen
sich auf eine Maueröffnung, gelten aber sinngemäß auch für Gewölbe. Bleiben wir
also beim Gewölbebogen :
Am einfachsten ist
es wohl, sich einen Gewölbebogen als „Keil“ vorzustellen, welcher durch sein
Eigengewicht und die zu tragende Auflast
(Gewicht der
darüber befindlichen Mauern, etc. ) zwischen den beiden Auflagern A und B
„eingeklemmt“ ist. Durch die Schräglage dieser Auflagerflächen wird der „Keil“
am herunterfallen gehindert. An diesen Auflagerflächen entstehen große Kräfte
in horizontaler und vertikaler Richtung. Daher werden solche Auflager
treffenderweise auch Widerlager genannt. Es ist klar, dass bei jedem Gewölbe
der Ausbildung der Auflager größte Bedeutung zukommt. Dies betrifft ganz
besonders die Ableitung bzw. Aufnahme der horizontalen Kräfte. Wenn die
angrenzenden Mauern nicht lang bzw. stark genug sind, kann auch ein „Zugband“
aus Eisen eingebaut werden, welches die horizontalen Kräfte – diese sind links
und rechts gleich groß und entgegengesetzt – aufnimmt. Von diesem gedachten
„Keil“ wird am Bau natürlich nur der statisch notwendige Teil, eben der
Gewölbebogen ausgeführt (in obiger Zeichnung strichliert dargestellt). Die
einzelnen Steine (oder Ziegel ) des Gewölbebogens werden durch Mörtelfugen
miteinander verbunden, die zur „Keilspitze“ weisen müssen. Bei kleinen
Maueröffnungen kann dieser Gewölbebogen auch ohne Krümmung, d. h. horizontal
ausgeführt werden (scheitrechter Bogen).Wenn die Auflager und die Fugen wie
oben beschrieben ausgeführt werden, funktioniert die Gewölbewirkung trotzdem.
Bei größeren Öffnungen (Spannweiten) ist eine mehr oder weniger starke Krümmung
des Gewölbebogens bzw. der Deckengewölbe unerläßlich. Je stärker die Krümmung,
desto relativ geringer die horizontalen Kräfte im Bereich der Auflager (Widerlager).
Bei Bauschäden im Bereich der Gewölbe bzw. deren Auflager ist daher besondere
Sorgfalt erforderlich.
2.4 PFLANZENBEWUCHS
Dies ist ein Problem, welches bei
älteren Gebäuden, insbesondere bei Ruinen immer wieder zu beobachten ist. An
allen möglichen Stellen im Dachbereich, wie bei Dachrinnen, Kaminen,
Giebelmauern etc. fliegen Samen an, die sich mit der Zeit manchmal zu
beachtlichen Bäumen entwickeln. Auch im Sockelbereich von Mauern aller Art
wachsen gerne Gebüsche und Bäume direkt am Mauerwerk. Pflanzen am Mauerwerk
sind meist schädlich. Sie halten relativ viel Feuchtigkeit in ihrem Bereich,
welche den Ziegeln, dem Mauermörtel und dem Verputz nicht gut tun. Die
Festigkeit der Ziegel leidet ebenso wie Bindekraft des Kalks im Mörtel. Eine Ausnahme
kann Efeu sein, da es einen Bewitterungsschutz darstellt. Es darf aber nicht in
Holzkonstruktionen hineinwachsen! Im Sockelbereich wird die ohnehin schon
gegebene Gefahr der Durchfeuchtung noch
zusätzlich erhöht. Durch die Ausbreitung der Wurzeln von Pflanzen im Mauerwerk
entstehen Risse, welche nicht nur statische Probleme verursachen können,
sondern auch das Eindringen von Feuchtigkeit mit allen schädlichen
Nebenwirkungen begünstigen. Es ist also unbedingt notwendig, jeden
Pflanzenbewuchs an alten Gebäuden laufend unter Kontrolle zu halten. Auch
Gebüsche und Bäume, welche zu nahe an altem Mauerwerk stehen, sollten entfernt
werden, da sie sehr leicht eine ausreichende Belüftung und richtige
Austrocknung der Außenmauern behindern. Leider wird immer wieder der Fehler
gemacht, dass beim Baumsetzen kein ausreichender Abstand zu den Gebäuden
eingehalten wird. Das kann später dazu führen, dass Äste großer Bäume die
Fassade erreichen und diese beschädigen. Solche Äste müssen unbedingt
entsprechend zurückgeschnitten werden!
2.5 BAUFORSCHUNG
Bei der
Beschäftigung mit alten Gebäuden oder Ruinen kommt der Bauforschung auf jeden
Fall große Bedeutung zu. Das Wissen um die historischen Umstände und Ursachen,
die zur Errichtung des Gebäudes führten ist genau so wichtig, wie die Kenntnis
der bauhistorischen Abläufe, um - so genau wie möglich - die erste Form des
Gebäudes sowie spätere Umbauten und Veränderungen erkennen zu können. Vieles ist
oft ohnehin bekannt oder von Anrainern zu erfahren. Darüber hinaus bietet sich
die Möglichkeit an, in verschiedenen Archiven zu forschen oder aber in alten –
auch neuen – Büchern zu suchen. Alte Bilder wie Kupferstiche, Gemälde,
Radierungen und insbesondere alte Fotos können wertvolle Aufschlüsse liefern.
Öfter schon konnten auf Flohmärkten wichtige Unterlagen zur Geschichte eines
Gebäudes gefunden werden.
Besonders wichtig ist natürlich die
Bauforschung an Ort und Stelle. Da überall dort, wo Menschen leben oder lebten,
das ursprüngliche Geländeniveau höher wird – als grobes Richtmaß kann hier etwa
2 m. je Jahrtausend angegeben werden – ist es naheliegend, den Boden innerhalb
und außerhalb des Gebäudes durch Grabungen zu untersuchen. Dabei sind zunächst unbedingt
alle Sicherheitsaspekte zu beachten. Außerdem sollten derartige Arbeiten von
einem Fachmann geleitet werden und sind auch entsprechend zu dokumentieren. Da
Grabungen aufwändig sind, empfehlen sich genaue Überlegungen über die richtigen
Stellen. Eine Hilfe dabei ist eine neue Forschungsmethode: das Georadar. Damit
können unterschiedliche Bodenarten, manchmal sogar ganze Strukturen erkannt
werden. Das ist natürlich sehr hilfreich bei der Auswahl jener Stellen, wo
gegraben werden soll.
3.)
DURCHFÜHRUNG VON BAUARBEITEN
Sicherheitshinweis:
Bei der Durchführung von Bauarbeiten an alten Gebäuden – und ganz besonders an
Ruinen - sind alle erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen genauestens zu beachten.
Dies gilt in ganz besonderem Maße für Arbeiten bei und auf Gerüsten, wobei
diese natürlich unbedingt den diesbezüglichen Sicherheitsvorschriften
entsprechen müssen. Ferner müssen beispielsweise überall dort, wo von oben
Material herunterfallen kann, Schutzhelme getragen werden, absturzgefährdete
Stellen sind entsprechend zu sichern, etc., etc.. Es sei dringend empfohlen,
gefährliche Arbeiten von einer konzessionierten Firma ausführen zu lassen.
Für freiwillige
Helfer bleibt gerade bei alten Gebäuden immer noch genug zu tun !
3.1 MAUERN
UND MAUERKRONEN.
Die folgenden
Hinweise gelten hauptsächlich für Burgruinen, das heißt also für Mauern ohne
schützendes Dach. Bei alten Gebäuden mit noch intaktem Dach sind Zeitschäden
trotz grundsätzlicher Ähnlichkeit meistens viel geringer. Fast immer sind die
älteren Mauern Steinmauern, Fenster und Türumrahmungen wurden aus Naturstein
hergestellt um ein entsprechende harte Kantenausbildung zu erhalten. Bei
jüngeren Mauern hat man dann zunehmend handgeschlagene Ziegel verwendet, auch
Mischmauerwerk findet sich häufig. Durch die Bewitterung leidet das alte
Mauerwerk sehr. Die Bindekraft des Mörtels lässt mit der Zeit nach, bei
direkter Bewitterung geht dies noch schneller. Das eindringende kalkfreie
Regenwasser nimmt Kalk auf und löst ihn aus dem Mörtel heraus. Im Extremfall bleibt
dann vom einstmals festen Mörtel letztlich nur noch der Sand übrig. Dieser
Effekt ist vielfach die Ursache für das Einstürzen ungeschützter Gewölbe oder
Mauern. Wenn das eindringende Regenwasser im Winter friert, ergibt sich ein
weiterer Zerstörungsfaktor.
Angesichts dieser Umstände ergibt sich
nun die Frage, wie man altes halbverfallenes Mauerwerk so schützt, dass
wenigstens der vorhandene Rest erhalten bleibt Im folgendem sollen dazu einige
Überlegungen angestellt und Tipps gegeben werden. Es ist naturgemäß völlig
unmöglich, für jeden nur denkbaren Fall feste Regeln anzugeben.
Grundsätzlich geht es immer darum, das Eindringen von Regen -
und Schmelzwasser möglichst zu verhindern, bzw. eine rasche Wiederaustrocknung
zu ermöglichen. Es sind also durch Verwitterung und andere spätere Ursachen
entstandene kleine und größere Öffnungen und Fehlstellen zu verschließen. Aber
Achtung: alte Balkenlöcher, Gewölbeansätze, Mauernischen und dgl. mehr müssen
unbedingt erhalten und sichtbar bleiben! Verwitterungsschäden können, wenn
nicht allzu groß, durch Ergänzung mit Mörtel und nachmauern wieder beseitigt
werden. Manchmal ist es unerlässlich, Teile des beschädigten Mauerwerkes durch
entsprechende Nachmauerungen zu ergänzen, um auf diese Weise einen besseren
Schutz des Altbestandes zu erreichen. Wie schon erwähnt, soll aber das neu
hinzugefügte Mauerwerk deutlich erkennbar sein, obwohl es natürlich naheliegend
ist, alte vorhandene Steine zu verwenden und in gleicher Weise zu vermauern.
Man könnte z. B. eine Einfärbung des Mörtels vornehmen oder die Anschlussfuge
zum originalen Mauerwerk durch Einlegen von andern Materialien, etwa Stücke
alter – handgeschlagener – Dachziegel deutlich sichtbar machen.. Bei kleinen
Ergänzungen mit Mörtel wird das oft nicht möglich oder sinnvoll sein. Bei
Ruinen ist meist die Sicherung von Mauerkronen ein Problem. Im einfachsten Fall
genügt ein glattgestrichenes Mörtelbett als Schutz vor dem eindringendem
Regenwasser. Wenn im Mauerwerk Risse vorhanden sind, kann sich die Notwendigkeit
ergeben, zur Festigung dieser Mauerkante eiserne Schließen einzubauen. Man kann
beispielsweise stark verwitterte oberste Schichten des alten Mauerwerks
abtragen, zu beiden Seiten der Mauerkrone je eine relativ dünne Mauer
wiederaufmauern und dazwischen einen Betonrost mit Eiseneinlage herstellen.
Obwohl dadurch das statische
Ziel meist erreicht wird, hat
diese Methode doch Nachteile: durch die unterschiedlichen Materialeigenschaften
des alten Mauerwerks und des neuen Betons können allzu leicht Spannungen und
Risse entstehen, die wiederum neue Probleme schaffen. Es besteht aber auch die
Möglichkeit, Mauerkronen mit Holz oder Dachziegel abzudecken, aber es gibt auch
ganz moderne Lösungen wie die Schaffung kleinerer oder größerer Dachbereiche
aus Stahl, Glas oder Kunststoff. Eine ganz andere Methode gibt es für niedrige
Mauern: spezielle Pflanzen (Moose) sind dafür gut geeignet, diese müssen
lediglich laufend kontrolliert werden damit sich nicht größere Pflanzen
ansiedeln, die durch ihr Gewicht und durch ihre Wurzeln das alte Mauerwerk
beschädigen. Der Schutz alter Mauerkronen erfordert jedenfalls umfassende
Überlegungen, und es sind dabei nicht nur technische, sondern auch
architektonische Fragen zu lösen.
3.2 MAUER
UND PUTZMÖRTEL.
Diese bestehen aus dem Bindemittel (Kalk oder
Zement), Sand und Wasser. Früher wurden gebrannte Kalksteine in einem großen
Bottich mit Wasser übergossen (Kalklöschen). Der so entstehende Kalkteig
(Fettkalk) wurde dann in Erdgruben (Kalkgruben) gelagert („eingesumpft“). Im
Idealfall bleibt der Fettkalk dort viele Jahre, bevor er verwendet wird. Dies
ist bei Fettkalk für Mauermörtel nicht so wichtig , wie für Putzmörtel.
Besonders wichtig ist die lange Lagerung, wenn der Fettkalk für das Weissigen
oder Färbeln verwendet wird, wofür er ausgezeichnet geeignet ist. Für die
Mörtelherstellung werden dann dem Fettkalk je nach Verwendungszweck noch
spezielle Zusätze beigegeben (sog. „Puzzolane“ wie z. B. Trass, aber auch
Ziegelmehl, Holzkohle, Kuhhaare etc.). Angeblich hat man früher auch Ochsenblut
zur Verbesserung der Mörtelqualität verwendet. Für die Mörtelherstellung wird
dieses Bindemittel samt Zusatz mit einem geeigneten Sand und Wasser gut
durchgemischt. Fettkalk und Trass ist auch heute noch im Baustoffhandel
erhältlich. Allerdings ist dieser Fettkalk nicht allzu lang gelagert. Es gibt
aber auch langjährig eingelagerten Fettkalk (Adressen sind über das
Bundesdenkmalamt erhältlich). Ein anderes, modernes Bindemittel ist der Zement.
Er wird zur Beton und Mörtelherstellung verwendet. Es sollte aber – im
Normalfall - kein Zementmörtel an altem Mauerwerk verwendet werden. Warum
nicht Zement als Bindemittel bewirkt im Mörtel hohe Festigkeit schon nach
kurzer Zeit. Das bedeutet aber auch, dass Zementmörtel relativ wenig elastisch
sind. Gerade diese Eigenschaft haben aber alte Kalkmörtel. Die geringere Festigkeit
ist bei den früher üblichen Mauerstärken ohnehin kein Thema. Wenn man bedenkt,
dass gerade bei freistehenden, bewitterten Mauerwerk wie bei Ruinen die
Mörtelfestigkeit meistens schon gelitten hat, wird klar, dass bei
Mauerergänzungen aller Art unbedingt Mörtel zu verwenden sind, die dem alten,
vorhandenen Mauermörtel möglichst gut entsprechen. Dann wird es zwischen altem
und neuem Mauerwerk keine Spannungen geben und auch keine zusätzlichen Risse.
Es ist durchaus möglich, an Stelle von Fettkalk moderne, hydraulische Sackkalke
zu verwenden, wobei sich eine Zugabe von Trass empfiehlt. Bei der Errichtung
von
Burgen und anderen alten Gebäuden war früher der Fettkalk das einzige
Bindemittel. Er wurde zum Mauern, Verputzen und für Kalkanstriche verwendet.
und ist natürlich nach wie vor ein ideales Material für Arbeiten an alten
Gebäuden. Auch die Beigabe von Zement zum Fettkalk ist möglich, dadurch wird
eine höhere Mörtelfestigkeit erreicht. Dies ist aber nur in Sonderfällen zu
empfehlen, z. B. bei Ausbesserungsarbeiten an Gewölben, Fundamenten etc.
Besonderes Augenmerk verdient auch der Sand. Hier muss nicht nur die
„Sieblinie“ stimmen, d. h. es müssen alle Körnungen vom feinsten bis zum gröbsten
Korn im richtigen Verhältnis vorhanden sein, es darf außerdem der Lehmanteil
nicht mehr als 2-3% betragen. Hier gibt es eine einfache – meist ausreichend
genaue - Prüfmethode: man füllt Sand in eine Glasflasche, gibt Wasser dazu,
schüttelt das gut durch und lässt die Flasche einige Stunden stehen. Eine dünne
Lehmschichte hat sich zu oberst abgesetzt und es kann dann die Höhe dieser
Schichte sowie Gesamthöhe mit einem Maßstab gemessen werden Daraus ist dann der
Lehmanteil in Prozenten leicht zu ermitteln. Es ist aber genau zwischen Lehm
und feinster Sandkörnung zu unterscheiden!
Bei
größeren Sanierungen von alten Gebäuden ist es auf jeden Fall zu empfehlen, mit
verschiedenen Mörtelproben entsprechende Versuche zu machen, um das optimale
Mischungsverhältnis zu ermitteln. Eine ausreichend lange Aushärtungszeit von
mehreren Tagen oder sogar Wochen sollte aber berücksichtigt werden.
3.3 P U T Z E
Bei
alten Gebäuden gibt es meistens mehr oder weniger große Flächen mit alten
Putzen, die für die Baugeschichte und die Identität eines alten Gebäudes genau
so wichtig sind, wie die Mauern und daher mit entsprechender Vorsicht behandelt
werden müssen. Dies gilt umso mehr dann, wenn noch alte Bemalungen erkennbar
sind. Bei Putzergänzungen sollte, soweit möglich, die frühere Technik
angewendet werden. Es ist aber genau zu prüfen und zu entscheiden, ob neue
Putzflächen gut erkennbar sein sollen oder nicht. Dies wird meistens schon
durch die oftmaligen Kalkanstriche der alten Putzflächen der Fall sein.
Natürlich gilt für alten Verputz das selbe, wie für altes Mauerwerk: im Laufe
der Jahrhunderte lässt bei Außenputzen aber auch bei Innenputzen die Bindekraft
des Kalkes nach. Aber meistens kann auch ein „weicher“ Verputz noch lange
seinen Dienst tun. Wie schon erwähnt, verwendete man früher als Bindemittel
ausschließlich Fettkalk. Bei Ergänzungen sollte man daher bei dieser Technik
bleiben. Bei Neuputzflächen können aber auch die modernen Thermo-und
Sanierputze verwendet werden, da diese in ihren Eigenschaften jenen der alten
Putze ähnlich sind. Dabei ist auf die passende Oberflächenbehandlung (verreiben
oder glattstreichen) zu achten.
3.4 HOLZKONSTRUKTIONEN
Zimmerleute haben früher oft wahre Meisterwerke in
Holz geschaffen. Das betrifft nicht nur
Holzdecken, Dachstühle, Wehrgänge etc., sondern auch Holzgebäude aller Art. Es
wurden in Jahrhunderten gewonnene Erfahrungen bei der Holzschlägerung und
Verarbeitung angewendet. Holzschutzmittel gab es früher nur eines: die richtige
Konstruktion. Bei der Erhaltung alter Holzkonstruktionen müssen wir sehr
vorsichtig und verantwortungsbewusst vorgehen. Es ist ein großer Vorteil dieses
Materials, dass einzelne, beschädigte Konstruktionsteile relativ leicht
ausgetauscht werden können. Dabei sollten nicht nur die originalen Querschnitte
und Holzverbindungen wiederverwendet werden, sondern auch das gleiche Holz,
sinnvollerweise aus steirischen Wäldern, so wie einst. Die Verwendung moderner
Holzschutzmittel kann als zusätzliche Maßnahme durchaus empfohlen werden. Bei
der Sanierung von Wohnräumen in alten Holzhäusern können diese ohne weiteres
mit heutigen Isolierungen ausgestattet werden. Alte Hölzer, welche dadurch von
Isolierungen umschlossen werden, müssen vorher sorgfältig imprägniert werden.
Natürlich sind auch bauphysikalische Grundsätze genau einzuhalten.
3.5 DACHFLÄCHEN
Früher wurden
Dächer überwiegend mit Holz oder Dachziegeln eingedeckt. Strohdächer waren in
der Steiermark selten. Lärchenholzschindeldächer haben eine ausgezeichnete
Langzeitbeständigkeit und erfordern während ihrer Lebensdauer wenig
Unterhaltskosten. Auch das geringe Gewicht und die hohe Sturmsicherheit sind
große Vorteile. Dies setzt natürlich voraus, dass erstklassiges,
wintergeschlägertes Lärchenholz verwendet wird. Ferner dürfen die Schindeln
nicht geschnitten sondern müssen gespalten sein und von spezialisierten
Fachleuten verlegt werden. Ein hochwertiges Schindeldach ist also keine billige
Investition. Der größte Nachteil ist wohl die kaum vorhandene Brandsicherheit.
Das war einst noch wichtiger als heute und sicher ein wesentlicher Grund für
die schon früh einsetzende Beliebtheit der Ziegeldächer.
Ziegeldächer aus handgeschlagenen
Dachziegeln können Jahrhunderte alt werden zumal es in der Regel leicht möglich
ist, einzelne Dachziegel auszuwechseln. Auf diese Weise ist ein altes
Ziegeldach immer eine Mischung aus Ziegeln verschiedenen Alters und
unterschiedlicher Verwitterung. Gerade das macht alte Ziegeldächer so schön.
Auf Grund neuer fabriksmäßiger
Herstellungsmethoden wurden zunächst die so hergestellten Dachziegel aus
gebranntem Ton immer schlechter, d.h. kurzlebiger. Dies hat die Verwendung
neuerer Dachdeckungen wie Asbestzement, Blech, Beton etc. begünstigt. In den
vergangenen Jahrzehnten ist es jedoch mittels besserer Methoden gelungen,
wiederum erstklassige Tondachziegel zu erzeugen. Es kann also heute ein
Ziegeldach wieder vorbehaltlos empfohlen werden.
Soweit einige Betrachtungen über die beiden wichtigsten
Dacheindeckungen von alten Gebäuden in der Steiermark. Bei der Sanierung eines
alten Hauses ist natürlich gerade die Dacheindeckung von zentraler Bedeutung.
Hier sind nicht nur wirtschaftliche Fragen zu klären, sondern auch auf die
Architektur und die Geschichte des Gebäudes entsprechend Rücksicht zu nehmen.
Dipl. Ing. Dietrich Herzog